Phasmiden Fütterung, Pflanzenpflege und Haltung

Essenz: Phasmiden sind strikt pflanzenfressende Wirbellose mit art- und stadienabhängigen Bedürfnissen. Richtige Pflanzenwahl, Nährstoffversorgung und hygienische Handhabung entscheiden über Wachstum, Häutungserfolg und Fortpflanzungserfolg.

Biologie und natürliche Ernährungsweise

Biologie und natürliche Ernährungsweise

Phasmiden nehmen Blätter als Hauptnahrungsquelle auf und besitzen einen Verdauungstrakt, der auf faserreiches Material ausgelegt ist. Jungtiere benötigen leichter verdauliche, zartere Blätter mit hohem Wassergehalt. Adulte Tiere tolerieren dickere, ledrige Blätter und zeigen oft breitere Futtersuchpräferenzen. In Mitteleuropa stammen natürliche Nahrungsquellen aus Sträuchern und Laubwäldern: Brombeeren, Eichen- und Haselblätter sowie Rosengewächse zählen zu häufig gefressenen Pflanzen. Manche tropische Arten benötigen spezialisierte Futterpflanzen wie Eukalyptus oder Guave.

Arten von Futterpflanzen und Auswahlkriterien

Für die Praxis sind Robustheit, Nährstoffgehalt und Unbedenklichkeit entscheidend. Blattstruktur und Oberflächenbeschaffenheit beeinflussen Fressbarkeit: feine, weiche Blattadern erleichtern Jungtieren das Kauen; ältere Tiere verarbeiten zähe Blätter besser. Ebenso wichtig sind sekundäre Pflanzenstoffe. Einige Pflanzen enthalten Salze oder Tannine in Mengen, die Verdauung oder Häutung stören können. Deshalb sind bekannte, geprüfte Arten zu bevorzugen.

Nachfolgende Übersicht zeigt praxiserprobte Pflanzen mit Einschätzung zur Eignung, Verfügbarkeit und Lagerhinweis.

Pflanze (bot.) Geeignet für Vorteile Hinweis zur Lagerung
Rubus fruticosus (Brombeere) Nymphen & adulte Hoher Wassergehalt, robust, leicht verfügbar Frisch im Kühlschrank, locker gelagert, max. 5–7 Tage
Quercus robur (Eiche) adulte & Zucht Gute Fasern, fördert Kaumuskulatur Blätter trocknen langsam, kühl lagern, kurz vor Gebrauch feucht aufbewahren
Corylus avellana (Hasel) Nymphen & adulte Mild, gut verträglich Kühl, luftdurchlässig lagern, schimmelgefährdet bei zu feucht
Rubus idaeus (Himbeere) Jungtiere Zarte Blattstruktur, hohe Akzeptanz Kurzfristig verwenden, nicht nass aufbewahren
Malus domestica (Apfel) Adulte, Zucht Leicht verfügbar, akzeptiert Frische Blätter, getrennt von Früchten lagern
Ligustrum vulgare (Liguster) Adulte Robust, gut für Haltung Vor Gebrauch gut kontrollieren auf Pflanzenschutzmittel
Eucalyptus spp. Spezielle Arten Lebensnotwendig für australische Arten Nur für passende Arten; frische Triebe empfohlen
Fagus sylvatica (Buche) Adulte Gute Faserstruktur, verlässlich Kühl und trocken lagern, schnell verwenden

Größe, Alter und Anpassung der Fütterung

Passende Blattgröße entscheidet über Futteraufnahme und Stress bei Häutungen. Für kleine Nymphen Blätter so anbieten, dass Fressflächen kleiner als Körperlänge sind. Während Häutung sollte Futter reduziert oder kurz entfernt werden, da Tiere Ruhe benötigen. Tragende Weibchen und Zuchtpaare profitieren von höherer Blattmenge und nährstoffreicherem Futter, um Embryonalentwicklung zu unterstützen.

Rhythmus, Portionsgrößen und Beobachtung

Häufigkeit richtet sich nach Art und Alter: Nymphen tägliche bis jeden zweiten Tag frisches Blattwerk, adulte Tiere 2–3-mal wöchentlich größere Mengen. Als Richtwert gelten pro Tier und Woche 5–10 frische mittelgroße Blätter für durchschnittliche Arten; Zuchtpaare deutlich mehr. Beobachten auf: aktive Futteraufnahme, glänzende Kropfregion und regelmäße Häutungen. Gewichtsverlust, schrumpfende Hinterleibsknospen oder Apathie sind Warnzeichen.

Vorbereitung, Lagerung und Hygiene

Ernte stets von ungiftfreien, unbehandelten Pflanzen durchführen. Blätter mit kaltem Wasser abspülen und Schädlinge mechanisch entfernen. Zur kurzen Lagerung eignet sich Kühlschrank bei 4–8 °C mit luftdurchlässiger Verpackung; längere Lagerung führt zu Nährstoffverlust und Schimmel. Vermeidung von Kontamination durch getrennte Aufbewahrung von Pflanzen und Substrat sicherstellen.

Ergänzung mit Mineralien und Vitaminen

Phasmiden benötigen Kalzium für Häutungen. Kalziumpräparate auf Basis von CaCO3 werden leicht auf die Blätter gestäubt. Für Jungtiere 1–2-mal wöchentlich, für adulte Tiere 1-mal wöchentlich; Präparate mit Vitamin D3 nur sparsam und bei Bedarf verwenden. Überdosierung kann zu Nierenproblemen führen; deshalb Herstellerdosierung beachten und Rotation mit calciumfreien Tagen praktizieren.

Anbau, Schädlinge und Behandlung

Beim Eigenanbau empfiehlt sich nährstoffarmes Substrat für robuste, nicht zu stark gedüngte Blätter. Zu hohe Stickstoffdüngung erhöht Blattfeuchtigkeit und Schimmelrisiko. Häufige Schädlinge sind Blattläuse, Spinnmilben und Trauermücken. Präventiv: Quarantäne neuer Pflanzen 7–10 Tage, regelmäßige Sichtkontrolle. Bei Befall mechanisch entfernen oder mit biologischen Mitteln wie Raubmilben arbeiten. Chemische Pflanzenschutzmittel vermeiden, da Rückstände tödlich sein können.

Beschaffung, Recht und Ethik

Beschaffung, Recht und Ethik

Futterpflanzen von Fachhändlern, Gärtnereien oder lokalen Sammelstellen beziehen. Beim Sammeln in der Natur auf geschützte Arten und Besitzverbote achten. Für importierte Arten Futterpflanzen auf Quarantänepflichten prüfen. Nachhaltigkeit bedeutet, auf regional verfügbare, heimische Sträucher zu setzen und Überernte zu vermeiden.

Praxis-Tipps für den Alltag

Ein Beispielplan: Carausius morosus — Jungtiere tägliche frische Himbeer- oder Brombeerblätter, leichte Kalziumgabe zweimal wöchentlich; adulte Tiere 3-mal pro Woche Brombeeren und gelegentlich Eichenlaub. Wenn Tiere nicht fressen, auf Vergiftungszeichen prüfen, neue Pflanzenquellen anbieten und Wasserangebot kontrollieren. Dokumentation mit Datum, Pflanzenart und Häutungsereignissen hilft, Ernährungsfehler zu erkennen und Fütterungsstrategien zu optimieren.